Montag, 19. Oktober 2015

Frankfurter Buchmesse 2015 - Ein Bericht

Mein erster Messebesuch: Traum oder Alptraum?

Seit Jahren schon möchte ich die Buchmesse in Frankfurt besuchen, aber irgendwie kam immer etwas dazwischen. Dieses Jahr sollte es endlich so weit sein. Wird es das erhoffte Bücherparadies sein oder ist es ein Alptraum, in dem man von Menschen und Büchern schier "erschlagen" wird?
Hier mein Bericht:

Los ging es pünktlich um kurz nach 06.00 Uhr mogens mit dem Bus der Mayerschen-Buchhandlung ab Düsseldorf Hauptbahnhof. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Dormagen um die nächsten Messebesucher mitzunehmen ging es auf die Autbahn Richtung Frankfurt. Relativ pünktlich kamen wir in Frankfurt an, das Navi des Busfahrers zeigte (völlig überraschend) aber einen Stau auf der Messezufahrt an, woraufhin kurzerhand eine "Abkürzung" mitten durch die Frankfurter Innenstadt genommen wurde. Auf diese Weise habe ich auch mal die Zentrale meines Arbeitgebers im Frankfurter Bankenviertel gesehen. Eine halbe Stunde später waren wir dann endlich auf dem Messegelände.

Ein kurzer Blick in Halle 3.0, wo die meisten Belletristik-Verlage zu finden waren:


Erster Eindruck: herrlich, genau so viele Buchverrückte wie ich! Aber: keine Zeit, wollte doch erst kurz hier vorbeischauen:




ARD-Forum: Eine Minibar für DM 689,50 und Best of Druckfrisch



  
Um 11.30 begann die Aufzeichnung zu "Best of Druckfrisch" mit Denis Scheck, die wollte ich unbedingt sehen. Glücklicherweise rechtzeitig angekommen und noch den Rest des Mike-Krüger-Interviews zu seinem neuen Buch mitbekommen. Wandert zwar nicht auf meine Wunschliste, aber seine Erzählungen waren sehr lustig. Highlight war für mich wie er in den 80ern mit Karl Dall und Jürgen von der Lippe live getestet hat, was wohl eine komplette Minibar-Füllung in einem Baden-Badener 5-Sterne-Hotel kostet. Nach durchzechter Nacht die Frage der Rezeptionistin: "Hatten Sie noch etwas aus der Mini-Bar?" "Ja, alles!"
Seitdem weiß er, dass eine komplette Minibar in dieser Hotelkategorie in der 80ern DM 689,50 gekostet hat.





Denis Scheck stellte gewohnt souverän und mit einer ordentlichen Portion Humor seine Lieblingsbücher der Buchmesse vor und warnte vor den Fallen der Bestsellerlisten und der Literaturpreise. Die üblichen Verdächtigen (Coelho, Roche, Fitzek) wurden wieder mit einer guten Portion Spott und Häme bedacht. Die Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch und den Träger des Deutschen Buchpreises Frank Witzel (für seinen Roman "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969") konnte er wärmstens empfehlen.
Die komplette Aufzeichnung gibt es auf youtube.

Danach habe ich mich auf die Suche nach dem Stand des suhrkamp-Verlages gemacht. Hatte leichtsinnigerweise gehofft, dass man das Buch des immerhin Shortlist-Nominierten Clemens J. Setz "Die Stunde zwischen Frau und Gitarre" erwerben könnte. Da der Autor zwei Lesungen an diesem Tage auf dem Messegelände hatte, wäre eine Buchausgabe zum Signieren natürlich toll gewesen. Aber ein striktes "keine Chance" der suhrkamp-Mitarbeiterin schaffte klare Verhältnisse. Auf meine Nachfrage, ob man denn bei den Lesungen das Buch erwerben könnte, habe ich auch nur ein "tut mir leid" geerntet. Schade, schade, da hatten mir Messebesucher doch ganz anderes von Lesungen von anderen Verlagen berichtet.
Hier hätte ich mir von der suhrkamp-Vertreterin doch mal einen Hinweis auf die weiteren Termine der Lesungen erhofft. Heute habe ich erfreut festgestellt, dass es zu diesem Buch auch ein tolles "Blog-Experiment" als gemeinsame Lesung von Autoren, Bloggern, Lesern und Journalisten gibt:

http://frau-und-gitarre.de/

Aber auch hier keinerlei Hinweise. Überhaupt hatte man bei vielen Verlags-Repräsentanten das Gefühl, dass man als Privatbesucher und reiner "Endverbraucher" eher stört auf so einer Veranstaltung. Der sehr lesenswerte Artikel des spiegel-online-Redakteurs Tobias Becker scheint mich da zu bestätigen. Dank ihm kenne ich jetzt auch den wahren Grund für diese alljährliche Veranstaltung "Früher oder später machte dort eigentlich jedes Jahr jemand diese Bemerkung: Das Treiben tagsüber sei nur das sehr teure Alibi der Branche dafür, endlich mal gemeinsam einen saufen zu gehen."


Umso erfreulicher war es da, dass ich doch bei drei kleineren Krimi-Verlagen ein paar Bücher erwerben konnte, teilweise sogar zum "Messe-Sonder-Preis". Dafür vielen Dank.

Schade, schade: der Versuch eines Lovelybook-Treffens

 

Durch Zufall war ich schon etwas vor 14.00 Uhr auf dem "Orbanism Space" zum Lovelybooks-Treffen angekommen. Es war jedoch schon so voll, dass man von der Moderation leider kaum etwas verstanden hat. Der Raum war dermaßen überfüllt, dass man sich auch nicht wirklich entspannt unterhalten konnte. Leider gab es auch keinerlei Informationen zum Programmablauf und zu den angeblich anwesenden Autoren. Wie ich heute gelesen habe, gab es wohl auch Namensschilder zum Ausfüllen. Das wäre doch ganz nett gewesen um ins Gespräch zu kommen. 
So aber waren viele schon vorab genervt und aufgrund der vielen Leute auch teilweise schon in Panik geraten. Nach dem Motto: "Dann wenigstens eine goodie-bag mitnehmen" sind dann viele der umstehenden (ich eingeschlossen) lovelybooker zum Ausgabestand und anschließend "geflüchtet".  
Der Inhalt der goodie-bag war wirklich toll, wider Erwarten ein paar sehr interessante Bücher dabei (Post hierzu folgt separat). Noch kurz den ein oder anderen Titel mit anderen getauscht und dann ging es auch schon weiter. 

Diesmal mit etwas mehr Ruhe durch die Hallen geschlendert und die Eindrücke auf mich wirken lassen:

 
Irgendwann brauchte ich eine Pause und nahm die nächstbeste freie Sitzgelegenheit. Da dort kurze Zeit später Mario Adorf sein neues Buch präsentieren sollte, bin ich kurzerhand sitzengeblieben und war froh, dass ich meinen Füßen eine kurze Pause gönnen konnte.

Mein Eindruck. Ein wirklich sehr netter, bodenständiger Zeitgenosse, der interessant von seinen Anfängen in der Theater- und Filmwelt zu berichten wusste.

Kurz danach war die Riesenschlange bei der Signierstunde von Sebastian Fitzek zu bewundern. Von seinen Büchern mag man ja halten was man will, aber er kümmert sich wirklich vorbildlich um seine Fans. Mit viel Geduld werden hier Autogramme gegeben, Bücher signiert und selfies gemacht.

Dann noch ein bisschen durch die Gänge treiben lassen und schon ist der Tag auch schon fast zu Ende. Man frag sich: wo ist die Zeit geblieben?



Fazit: Auf die Buchmesse in Frankfurt sollte man nicht mit falschen Erwartungen und einem festen Terminplan zum Abarbeiten gehen. Vermutlich ist es besser, sich einfach treiben zu lassen und mitzunehmen, was einem so über den Weg läuft. Sobald wie möglich werde ich mir die Leipziger Buchmesse angucken, dort soll es ja wesentlich entspannter sein.
Falls ich im nächsten Jahr nochmal nach Frankfurt fahre, werde ich mich auf ganz wenige Programmpunkte beschränken, dafür aber meine Fotoausrüstung mitnehmen. Die hier gezeigten Handy-Bilder sind dann doch etwas provisorisch.
Aber vielleicht läuft es bis dahin mit dem Blog auch bessser, so dass man vielleicht auch an den Fachbesucher-Tagen kommen kann. 





Kommentare:

  1. Rate mal, was ich gemacht habe? Einen festen Zeitplan mit den Sachen, die ich sehen wollte. :-D Ich war eh schon skeptisch, da die Hallen ja auch teilweise so furchtbar weit weg voneinander sind. Aber nach dem 1. Tag habe ich dann meinen Plan nur noch als Empfehlung gesehen, ich habe so einiges fallen lassen müssen. Es gibt einfach zu viele Sachen, die interessant sind, auch schon unter der Woche, aber am SA ist es dann besonders übel. Trotzdem habe ich so einen groben Plan gebraucht, damit ich nicht völlig kopflos herumgeeiert bin. :-D Ich bin eher so der Organisationsfreak.
    LG, Bianca

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  2. Ja, wenn man mehrere Tage hat, ist es wahrscheinlicher einfacher. Hatte auch einen groben Terminplan, aber sehr schnell festgestellt, dass das meiste davon nicht klappt..
    Vielen Dank für Deinen Kommentar und liebe Grüße, Thomas

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  3. Hallo Thomas,

    vom LB-Treffen habe ich schon gelesen, dass es etwas ausgeartet ist. Schade, schade, hoffentlich wird es nächstes Jahr besser organisiert, wenn es wieder eines gibt.

    Wie ich sehe, du warst auch beim Manesse-Stand. :-) Dahin hätte es mich auch verschlagen.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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