Sonntag, 25. Oktober 2015

Rezension zu „Glas“ von Stephen King



Eine Liebesgeschichte in einem Western in einer Roadstory in einer Fantasy-Welt in ….?

Cover der aktuellen Taschenbuchausgabe
  
Daten der Taschenbuchausgabe:

Titel: Glas
Autoren/Herausgeber: Stephen King
Übersetzer: Joachim Körber
Aus der Reihe: Der dunkle Turm
ISBN/EAN: 9783453875593
Originaltitel: Wizard and Glass - The Dark Tower IV
Originalsprache: Englisch

Seitenzahl: 992
Format: 18,7 x 11,8 cm
Produktform: Taschenbuch/Softcover
Sprache: Deutsch

Meine Wertung: 4/5 Sterne




Bitte beachten:  bei dem Buch handelt es sich um Band vier der ursprünglich aus sieben Bänden bestehenden  Saga um den dunklen Turm. Wer die ersten Bände noch nicht gelesen hat, dies aber noch tun möchte, sollte hier nicht weiterlesen. 

Wer nach dem rasanten Ende von Band 3 „tot“  auf eine zügige Fortsetzung der Reise Richtung dunkler Turm hofft, wird hier enttäuscht sein. Das Buch besteht im Wesentlich aus einer Rückblende in Rolands Vergangenheit, in der wir unter anderem erfahren wo er den dunklen Turm zum ersten Mal gesehen hat und was aus seiner ersten und einzigen Liebe wurde. 

Zu Beginn des Romans wird zunächst der Cliffhanger aus dem vorherigen Band aufgelöst. Nachdem die Gefährten dem diabolischen Monorail Blaine entkommen konnten, stellen sie fest, dass Zeit und Raum der Ankunftsstelle nicht mehr dem ihrer Abfahrt entsprechen.  

„Das ist nicht Kansas!“ 

 Sie scheinen in einem Kansas nicht lange nach Eddies Verschwinden aus seiner Gegenwart angekommen zu sein.  Einem gefundenen Zeitungsausschnitt entnehmen Sie, dass ein Großteil der Weltbevölkerung durch eine Supergrippe namens „Captain Trips“ vernichtet wurde. Dies ist ein weiterer  Verweis in dieser langen Geschichte auf einen anderen Roman von Stephen King „The Stand – Das letzte Gefecht“. Allerdings stimmt nicht alles mit Eddies Welt überein, manche der herumliegenden Autowracks sind von völlig unbekannten Herstellern, das örtliche Baseballteam hat einen ganz anderen Namen. In der Ferne erkennen die Gefährten den Umriss eines Schlosses, aber bevor sie die Reise fortsetzen möchten sie jedoch rasten und Roland nutzt die Gelegenheit den anderen von seiner ersten Liebe und seiner ersten Begegnung mit dem dunklen Turm zu erzählen.

Cover der amerikanischen Hardcover-Ausgabe-
Nachdem Roland als vierzehnjähriger Teenager durch eine Intrige des Beraters seiners Vaters zu einer viel zu frühen Mannbarkeitsprüfung getrieben wurde, wird er zusammen mit seinen Freunden Cuthbert Allgood und Alain Johns  in die weit entfernte Baronie Mejis geschickt. Offiziell sollen sie dort eine Bestandsaufnahme aller Dinge vornehmen, die dem Königreich im Kampf gegen den Revolutionär John Farson, den „guten Mann“, helfen könnten.  Offensichtlich möchten ihre Eltern aber lediglich ihre Kinder in Sicherheit wissen, da sie einen Angriff Farsons auf das Zentrum von Gilead, dem  politischen und wirtschaftlichen Zentrum  von Rolands Welt, befürchten.
Bei ihrer angeblich harmlosen Mission stoßen die drei allerdings schnell auf einige Ungereimtheiten und sie scheinen einer groß angelegten Verschwörung auf die Spur zu kommen. Zu allem Unglück verliebt sich Roland in Susan Delgado, die sich allerdings verpflichtet hat das Kind des Bürgermeisters auszutragen.

Die Liebesgeschichte zwischen Roland und Susan sowie die Untersuchung der Verschwörung machen den Großteil des Buches aus, von dem ich hier nicht zu viel verraten möchte. Wie jedoch in den anderen Büchern bereits angedeutet, wird es zu einem tragischen Ende kommen.   
Fazit:
King ist ein großartiger Geschichtenerzähler, die Saga um den dunklen Turm ist auch eine Hommage an die großen Geschichten der Weltliteratur. Von König Artus bis Herr der Ringe finden sich viele Parallelen in diesem Werk, im vorliegenden Band spielt auch der Zauberer von Oz eine gewisse Rolle. Auch bei den Gebrüdern Grimm wurden mit der „Hexe“ Rhea  viele Anleihen gemacht.
Als Leser kann man nur hoffen, dass diese ganzen Andeutungen dann im Verlauf der Geschichte auch zu irgendetwas führen, denn am Ende dieses Romans sind wir der Lösung des Rätsels um den dunklen Turm nicht wirklich viel näher gekommen.     
King schreibt auch hier wieder gewohnt gekonnt sehr bildhaft und beschreibt  Landschaft und die meisten Charaktere sehr detailliert. Er hat keine Mühe die westernähnliche Landschaft vor dem inneren Auge des Lesers entstehen zu lassen.
Auch wenn ich kein großer Leser von Liebesromanen bin wage ich zu behaupten, dass dieses Genre eindeutig nicht zu Kings Stärken gehört. Die Beziehung zwischen Roland und Susan nimmt im Roman einen großen Teil ein, dafür ist mir jedoch gerade Susans Person nicht ausführlich genug beschrieben. Die Beschreibung ihrer Gefühle ist mir etwas zu eindimensional.
Größter Kritikpunkt ist aber in meinen  Augen eindeutig die Länge des Romans. Gerade im Mittelteil hätte man die Geschichte bestimmt um 200 Seiten kürzen können. Hier zieht sich die Geschichte wirklich unnötig in die Länge um man benötigt etwas Geduld um durchzuhalten.
Daher von mir knappe 4 von 5 Sternen.

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