Sonntag, 31. Januar 2016

Rezension Chrstina Nichol: Im Himmel gibt es Coca-Cola

Titel: Im Himmel gibt es Coca-Cola
Autoren/Herausgeber: Christina Nichol
Übersetzer: Rainer Schmidt
Verlag: mare-Verlag
Ausgabe: 1. Auflage
ISBN/EAN: 9783866482340
Originaltitel: Waiting for the Electricity

Seitenzahl: 448
Format: 21 x 13,3 cm
Gewicht: 618 g
Sprache: Deutsch
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Das Rezensionsexemplar wurde vom mare-Verlag im Rahmen einer Lovelybooks-Leserunde zur Verfügung gestellt.

In dem am 09.02.2016 in Deutschland veröffentlichten Roman beschreibt uns Christina Nichols das Leben  im postsowjetischen Georgien im Jahre 2002.


Die Hauptperson des Romans, Slims Achmed Makaschwili, „arbeitet“ als Rechtsanwalt im georgischen Seerechtsministerium in der Stadt Batumi. Wie die meisten seiner Mitmenschen ist Slims nicht zufrieden mit seiner persönlichen Lebenssituation und den Verhältnissen, in denen ein Großteil der Georgier leben muss.

„Der örtliche Diktator reißt die alten Gebäude ab und lässt viele Rasenflächen anlegen, weil sich niemand mit einer Pistole hinter einem Rasen verstecken kann.“

Ehrliche Arbeit ist kaum zu finden, und wenn man einen Job finden kann, wird er meistens nicht bezahlt. Die Korruption greift um sich und der Bevölkerung fehlt es eigentlich an allem, was man zum Leben braucht, selbst der Strom ist oft nur stundenweise vorhanden, manchmal fällt er auch tage- und wochenweise aus.

„Wir sind kein Entwicklungsland“ sagte ich. „Wir sind – na ja, unsere Entwicklung geht rückwärts.“

Der Originaltitel des Romans „Waiting for the electricity“ gefällt mir daher eigentlich besser als der deutsche.
Aber anders als die meisten seiner Mitmenschen, die die Verhältnisse mit stoischer Gelassenheit und einer ordentlichen Portion Sarkasmus ertragen, hat Slims noch Hoffnung auf Besserung.

„Und im Bus hatte ich in dem Stapel Karteikarten geblättert, auf die ich meine englischen Lieblingsverben geschrieben hatte. To hope – hoffen. To aspire – streben. To strive – sich bemühen. To achieve – erreichen.

Daher schildert er in ausführlichen Briefen an Hillary Clinton, Schirmherrin des Programms „Mittelständische Unternehmensprojekte zur Gewährleistung von Demokratie und Sicherheit nach 9/11“ die Lebensverhältnisse in seinem Land und tatsächlich erhält er irgendwann, wenn auch nicht von ihr persönlich, eine Antwort. Er wird zu einem Seminar in San Francisco eingeladen um zu lernen, wie man Geschäftsideen erfolgreich in Georgien umsetzen kann.

Aber er muss feststellen, dass Amerika nicht ganz seinen Traumvorstellungen entspricht.

„War es möglich, dass der American Dream altmodisch geworden war?“

Der Autorin gelingt es sehr gut dem Leser das Land Georgien und seine Bevölkerung nahezubringen. Ein Großteil der ersten Hälfte des Romans besteht aus zahlreichen kleinen Episoden rund um Slims, seine Freunde und Familie, anhand derer man die Georgier, ihr Land und ihre Gasfreundschaft kennenlernt. Ein Land, das den meisten Lesern hierzulande bisher unbekannt sein dürfte und das vermutlich auch stellvertretend für viele anderen kleinere Staaten gesehen werden kann.

Hierbei fehlte mir allerdings ein roter Faden, ein richtiger Spannungsbogen baut sich nicht wirklich auf. Das führt dazu, dass das Buch einige Längen aufweist, die zwar durch den subtilen Witz und den hintergründigen Humor aufgelockert werden, aber ein richtiger Plot fehlt. Aber wie schreibt Slim so schön an Hilary:

„Aber Plot ist etwas für den Westen, für Helden, die mit Hindernissen zu kämpfen haben, die überwindbar sind.“

Das Buch hat mir das Land Georgien und seine Bevölkerung näher gebracht, was mir gut gefallen hat. Allerdings hatte ich mir doch noch mehr Satire und Gesellschaftskritik erwartet.

Wer hier also einen gesellschaftskritischen Roman à la T.C. Boyle erwartet, wird wohl enttäuscht sein. Aber alle denen „Alles ist erleuchtet“ von Jonathan Safran Foer gefallen hat, sollten einen Blick risikieren.

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