Dienstag, 5. Januar 2016

Rezension Honoré de Balzac: Verlorene Illusionen


Titel: Verlorene Illusionen
Autoren/Herausgeber: Honoré de Balzac, Melanie Walz (Hrsg.)
Übersetzer: Melanie Walz

ISBN/EAN: 9783446246140

Seitenzahl: 960
Format: 19,1 x 12,6 cm
Produktform: Hardcover/Gebunden
Gewicht: 566 g
Sprache: Deutsch

Link zur Verlagsseite:
 






„Halten Sie die Welt der Politik nicht für besser als die der Literatur. Alles in diesen zwei Welten ist korrupt, jeder besticht oder wird bestochen.“


Dass dieses Zitat aus dem Roman der Wahrheit entspricht, wird die Hauptperson, Lucien Chardon, im Laufe des Romans auf tragische Weise herausfinden.



Zum Inhalt:

Der junge, aus bürgerlichen Verhältnissen stammende, Dichter Lucien Chardon träumt zusammen mit seinem Freund und späteren Schwager David Séchard davon das kleine Provinznest Angouleme zu verlassen und eine große Karriere als Schriftsteller zu machen.

Durch die adlige Madame de Bargeton erhält er die Möglichkeit mit ihr zusammen nach Paris zu gehen und er glaubt dort seine Träume verwirklichen zu können.

Finanziell wird er von seiner Schwester Eve und seinem Schwager David unterstützt, obwohl beide ebenfalls sehr wenig Geld besitzen, da David von seinem Vater die elterliche Druckerei zu einem Wucherpreis übernehmen musste.

In Paris angekommen muss Lucien feststellen, dass das Leben in Paris und die Einführung in die vornehmen Gesellschaft seine bescheidenen finanziellen Mittel übersteigt. Auch sein provinzielles Auftreten trägt nicht zu seiner gesellschaftlichen Anerkennung bei, obwohl er eigentlich alle Voraussetzungen für eine Karriere mitbringt: Er kann schreiben und er sieht so gut aus, dass sich alle Damen in ihn verlieben und alle Männer auf ihn eifersüchtig sind.

Als Mme. de Bargeton erkennt, dass Lucien von der vornehmen Gesellschaft nicht anerkannt werden wird lässt sie ihn fallen und Lucien versucht sich allein durchzuschlagen. Aber hier trifft sein (und vielleicht auch das des Lesers) idealisiertes Bild des Literaturbetriebes auf die gnadenlose Wirklichkeit des Wirtschaftslebens.

Bücher sind nichts weiter als Waren, die sich, unabhängig vom Inhalt, möglichst gut verkaufen müssen. Schlechte Bücher werden durch gekaufte, lobende Kritiken zu Erfolgen und gute Bücher werden schlecht geredet.

Anfangs knüpft Lucien Verbindungen zu einem Kreis intellektueller Schriftsteller, die seinem Idealbild eines Schriftstellers sehr nahe kommen, doch mit den ärmlichen Verhältnissen, die dieses Leben mit sich bringt kann er sich nicht anfreunden.

Da kommt ihm ein Angebot, Journalist zu werden, gerade recht. Durch seine neuen Freunde in Journalistenkreise und sein Talent gute Artikel zu schreiben gelangt er schnell zu einiger Berühmtheit. Er merkt, dass er als Journalist die Macht erhält sich an den Personen, die ihn so haben fallen lassen zu rächen.....

Mehr möchte ich hier vom Inhalt nicht verraten.



Das Buch gibt einen tiefen Einblick in die Welt des Literaturbetriebes, der Druckereien und Buchhändler zur Zeit Balzacs. Gleichzeitig wird auch die neue Macht der seinerzeit aufkommenden Zeitungen dargestellt.

Auch wenn die Darstellungen etwas satirisch überhöht sein dürften, wird man feststellen, dass dieser Roman auch heute noch sehr aktuell ist, denn Parallelen zum heutigen Literaturbetrieb sind nicht zu übersehen.

Durch den Handlungsstrang mit dem Drucker David erfährt man auch einiges wissenswertes über die Papier- und Buchherstellung zur damaligen Zeit.

Die technischen Beschreibungen Balzacs zu diesen Themen mag für manchen Leser langweilig sein, ich fand sie interessant und sie haben meinen Lesefluss nicht gestört.

Als Kritik mag man vielleicht anbringen, dass Balzac die Charaktere vielleicht mit etwas „groben Pinsel“ zeichnet, die Bösen sind meistens richtig böse und die wenigen guten sind ohne jeden Makel, aber das hat mich hier nicht sehr gestört, da die Geschichte um Lucien trotzdem spannend geschrieben ist und man mit ihm mitfiebert, ob er es trotz aller Widrigkeiten schafft seinen Traum zu verwirklichen.

Ein tolles Buch, das mir sehr gut gefallen hat. Leider hat es auch Balzac schon verstanden „Cliffhanger“ zu schreiben. Man müsste eigentlich direkt mit den weiteren „Abenteuern“ von Lucien in „Glanz und Elend der Kurtisanen“ weiterlesen.

Ein paar Worte muss ich noch zu der Ausgabe des Hanser Verlages schreiben:

Für alle, die schöne Bücher lieben, sind die Bücher aus der Hanser-Klassiker-Reihe eine wahre Freude: Dünndruck, in Leinen gebunden, Fadenheftung und mit Lesebändchen versehen, sind diese Ausgaben eine Zierde für jedes Bücherregal und machen beim Lesen viel Freude.

Der vorliegende Band hat sogar zwei Lesebändchen, so dass man bequem zwischen dem Text und den sehr ausführlichen Anmerkungen der Übersetzerin, Melanie Walz, hin- und herblättern kann.

In den Anmerkungen, geht Frau Walz höchst interessant auf Eigenheiten der Übersetzung und des damaligen gesellschaftlichen Lebens ein. Hier kann man sich, wenn man möchte, richtig tief in das Werk „einarbeiten“.

Aber auch ohne die Anmerkungen kann man den Roman mit viel Genuss lesen. Bleibt zu hoffen, dass die Neuübersetzung von „Glanz und Elend der Kurtisanen“ nicht zu lange auf sich warten lässt.

Klare Kauf- und Leseempfehlungen für alle Buch- und Literaturinteressierten.











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