Samstag, 30. Januar 2016

Rezension Stephen King: Schwarz

Titel: Schwarz
Autoren/Herausgeber: Stephen King
Übersetzer: Joachim Körber
Verlag: Heyne
ISBN/EAN: 9783453875562
Originaltitel: The Dark Tower: The Gunslinger
Originalsprache: Englisch
Erstveröffentlichung: 10.06.1982 (Original)
Seitenzahl: 368
Format: 18,7 x 11,8 cm
Produktform: Taschenbuch/Softcover
Sprache: Deutsch
Link zur Verlagsseite 


  

„Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm.“ 


Mit diesem Satz beginnt Stephen King eine der längsten zusammenhängenden Geschichten, die uns die Unterhaltungsliteratur zu bieten hat. In meinen Augen einer der besten ersten Sätze, die man finden kann. Der Leser wird sofort in die Geschichte hineingezogen. Wer ist der Mann in Schwarz? Wer ist der Revolvermann und warum verfolgt er ihn? Man hat gar keine Wahl, man muss einfach weiterlesen um –vielleicht- eine Antwort auf diese Fragen zu finden.



Nicht weniger als ein modernes Epos im Geiste von „Herr der Ringe“ wollte Stephen King schaffen. Aber „Dank Mr. Tolkien hatte das 20. Jahrhundert bereits alle Elfen und Zauberer, die es brauchte.“ (Stephen King in seiner Einleitung zum Roman) Ihm war klar: Für die Geschichte, die er schreiben wollte, für seine von Tolkien doch sehr unterschiedlichen Literatur- und Filmerfahrungen, musste er eine andere Form finden. „Eines Tages sah ich mir dann in einem fast leeren Kino…einen Film des Regisseurs Sergio Leone an. Er hieß Zwei glorreiche Halunken, und bevor der Film noch zur Hälfte um war, wurde mir klar, dass ich einen Roman schreiben wollte, der zwar Tolkiens Gespür für abenteuerliches Suchen und Magie nachvollzog, aber vor Leones fast schon absurd majestätischen Westernhintergrund spielte.“ 
Und wer die Filme von Sergio Leone kennt, kann sich ungefähr vorstellen, durch welche Landschaft uns der Roman führt.

Roland Deschain ist ein (der letzte?) Revolvermann und damit vermutlich das letzte Mitglied einer alten Gilde von Gesetzesmännern, nicht unähnlich den berühmten Rittern der Tafelrunde. Durch eine Reihe, in späteren Bänden erklärten, schicksalshaften Ereignissen wurde Roland gezwungen seine Heimat zu verlassen und sich auf die Suche nach dem dunklen Turm zu machen. Dieser Turm scheint das Zentrum aller Energie im Universum zu sein und „seit die Welt sich weitergedreht hat“ scheint der Turm bedroht zu sein.
Der Mann in Schwarz könnte Antworten und Hinweise für Roland haben, scheint sich aber auf der Flucht vor ihm zu befinden. Er stellt Roland zahlreiche Fallen, die er jedoch umgehen kann. In einem verfallenen Rasthaus trifft Roland auf den Jungen Jake, der sich nicht daran erinnern kann, wie er dort hingekommen ist. Er stammt eigentlich aus New York und seine letzte Erinnerung ist, dass er bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist.
Zusammen nehmen die beiden die Fährte des Mannes in Schwarz wieder auf und treffen auf ihrem weiteren Weg auf Relikte einer modernen Welt. Mehr möchte ich hier vom Inhalt nicht verraten.

Der erste Band stellt Roland und seine Welt vor und gibt uns ein paar kleine Hinweise auf seine Vergangenheit. Allerdings sollte jedem Leser klar sein, dass die oben genannten Fragen am Ende von „Schwarz“ noch nicht wirklich beantwortet sind. Vielmehr sind noch ein paar neue Fragen hinzugekommen. Wenn man damit leben kann und sich auf die Geschichte einlässt nimmt King einen mit auf eine phantastische Reise, von der ich hoffe (da ich das Ende auch noch nicht kenne), dass die Fragen spätestens in Band sieben beantwortet werden.

„Schwarz“ kann man daher schwerlich bewerten, wenn man nur dieses Buch kennt, denn es ist tatsächlich nur so etwas wie ein langer Prolog. Leser sollten sich von den vielen offenen Fragen jedoch nicht abschrecken lassen und zumindest noch den zweiten Teil „Drei“ lesen und danach entscheiden, ob die Geschichte um Roland etwas für sie ist.

Alle, die Stephen King bisher noch nicht kennen, sollten nicht unbedingt mit diesem, 5000 Seiten umfassenden (ohne Wind), Werk beginnen, sondern erst zu kürzeren Geschichten von ihm greifen. Shining, The green mile und Der Anschlag kann ich für Anfänger guten Gewissens empfehlen.  

Noch ein Hinweis für Käufer gebrauchter Bücher: An dem kompletten, ursprünglich aus sieben Bänden bestehenden, Zyklus hat Stephen King in der Zeit von 1970 bis 2003 gearbeitet. Als die Handlung der letzten Romane feststand hat er in den ersten Bänden noch leichte Veränderungen vorgenommen um Fehler im Handlungsablauf und kleinere Unstimmigkeiten zu beseitigen. Ich empfehle daher den Kauf der von King überarbeiteten und mit einem erweiterten Vorwort versehenen Fassung 

Kommentare:

  1. Hallo Thomas,

    die Rezension ist sehr informativ und aufschlussreich. Ich habe mir mit diesem Buch recht schwer getan, aber mittlerweile fühle ich mich schon wohler in der Reihe.

    Also, wenn "meine" Ausgaben die Vorrede/das Vorwort von King beinhalten, dann ist es die überarbeitete Version, oder?

    Liebe Grüße,
    Nicole

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Nicole,
      in der überarbeiteten Version hat King vor dem Vorwort noch eine Einleitung aus dem Jahre 2003 eingefügt. Das fängt an mit der Überschrift "Über Dinge, die neunzehn sind (und anderes)"
      Liebe Grüße
      Thomas

      Löschen
  2. Hallo Thomas,

    das muss ich mir in meinen Ausgaben genauer ansehen. Ich habe da irgendwie so ein Wirrwarr aus allen möglichen Auflagen, bisher wäre mir diese Einleitung aber nicht aufgefallen.

    Danke für die Info!

    Liebe Grüße,
    Nicole

    AntwortenLöschen
  3. Du hast absolut Recht...ich hab mich fast abschrecken lassen vom ersten Band und bin froh, dem zweiten eine Chance gegeben zu haben...denn der ist wirklich gut geworden....

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Gut, dass du durchgehalten hast. Ich bin ja mit der kompletten Reihe auch noch nicht durch und habe mittlerweile auch ein paar negative Meinungen gehört, was mir jetzt ein bisschen Angst macht...
      LG

      Löschen